Das Dorf Künder alter Zeit sind in Rheindorf wohl am meisten anzutreffen. Die alten Grabsteine an der Kirche, von deren eigenartigen Inschriften wir unlängst einige Proben gaben, die alte Kirche selbst mit der Burg, die Flurkarten, das Rheindorfer Gemarkebuch, die Funde aus den Brandgräbern aus der Römerzeit, die vor einigen Jahrzehnten Professor Radermacher für das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Köln barg, erzählen von alter Bauernkultur in Rheindorf ferner die Funde auf der Heide zwischen Opladen und Rheindorf. Die nach germanischer Art hergestellten Töpfe, Schmuckstücke und Waffen beweisen trotz der römischen Beigaben, daß die fremde Kultur nicht über den Rhein gedrungen ist. Die an der Rheindorfer Kirche so pietätvoll aufbewahrten alten Grabsteine mit ihren eigenartigen Runen und Hauszeichen sind Beweis dafür, daß die späteren Geschlechter ihre Selbständigkeit bewahrt haben und niemand hörig waren. Wer ein Haus-zeichen führte, gehörte zu einer Sippe, die einen Grund und Boden hatte und niemand untertan war. Am Niederrhein und im Herzogtum Berg gab es früher eine große Anzahl Markgenossenschaften, u.a. neben Rheindorf die Opladener, Leichlinger, Burscheider und Dünnwalder Gemarke. Auch die Rheindorfer Gemarke war der Zusammenschluß der Grundbesitzer zur Erhal-tung und zum Schutz des Bodenreichtums. Wo heute fruchtbares Ackerland liegt, stand vor 150 Jahren noch uralter Wald, aus dem Rheindorfer, Hitdorfer und Reusrather Kleinbauern, Adel und Klöster Nutzen zogen. Dem Zuge nach  Aufteilung dieser  überlieferten Gerechtsamen im Beginn des 19. Jahrhunderts folgend, wurde auch 1803 die Teilung der Rheindorfer Gemarke vorgenommen. 1811, in der Zeit der französischen Fremdherrschaft, als Napoleon den Zehnten abschaffte, begann die Rodung des Rheindorfer Waldes. Die Aufteilung ist auch in Rheindorf nicht immer glatt von statten gegangen. Noch im Jahre 1835 mußte die Düsseldorfer Regierung klärend eingreifen. Die Rheindorfer Vorfahren besaßen durch die Gemarkenordnung das Selbst-verwaltungsrecht unter Aufsicht des Vogts in Monheim. Sie wählten ihren Dinger und übten Gerichtsbarkeit über das Busch-frevel.  Dieses Recht wurde bei passenden Gelegenheiten immer wieder neu bestätigt, wie das Gemarkebuch gerichtet. Das Gemarkebuch und Gaffelbeil wurden sorgfältig in einer dreifach verschlossenen Kiste in der Rheindorfer Pfarrkirche aufbewahrt. Die Schlüssel dazu besaßen die sogenannten  Elekten, der Abt von Altenberg, der Prior von Dünnwald und zeitweise die Priorin des dortigen Frauenklosters und der Prior von Sankt Aposteln in Köln. Die Gemarkebücher von drei Jahrhunderten sind gerettet worden, der übrige Inhalt der Kiste ist aber nicht mehr aufgefunden worden. Neben Geldstrafen verhängten die Gemark-genossen auch Zwangs-abgaben. Für den Busch wurde eine besondere Kasse geführt, die die Strafen und die Pacht einnahm, aus der dann die Besoldung der Förster und der Holzhauer bezahlt wurde. Neue Waldgenossen mußten als Aufnahmegebühren meistens Wein stiften. Um 1600 waren das ein Eimer Wein für die Waldgenossen, 1/ 4 Eimer für den Dinger und für den Schreiber. 1627 mußte laut Urkunde der Müller von Reuschenberg eine Strafe von 6/4 Eimer Wein bezahlen. Er hatte 100 Bürden Wacholder aus dem Wald holen lassen und war erwischt worden. Aus vielem geht hervor, wie auch aus Flurnamen und Familiennamen, daß damals in Rheindorf Weinbau betrieben wurde wie auch in anderen Kirchspielen des Bergischen Landes. So ist z. B. beim Röttgerhof  der Weingarten bekannt als Flurname und der Familienname Weinhaus verblieben. Noch im Jahre 1617 wurde in Rheindorf eine Wolfsjagd veranstaltet, wie eine Eintragen im Buschbuch bekundet. Der Flurname „An der Dingbank“  hält die Erinnerung an alte Tage wach. Abwechselnd unter Vorsitz eines Elekten oder eines gewählten Dinger saßen die Waldgenossen auf der Dingbank. Zwischen Opladen und Rheindorf hat nicht immer ein gutes Einvernehmen bestanden, zwar lieferte der Rheindorfer Wald das Holz zu dem Kirchenbau und für die Opladener Brücke, doch wurde wieder-holt den Opladenern das Betreten des Busches streng untersagt. Brauch war es, Volksversammlungen unter freiem Himmel bei großen Steinen in der Nähe eines Haines abzuhalten. Die von Generation zu Generation als Dingbank bezeichnete Örtlichkeit  „Grieße“ , ein kiesiger, unfruchtbarer Boden, eignete sich als Versammlungsplatz ganz besonders. Grieß bedeutet  zerkleinerter Kies oder Steingeröll. Rheindorf besaß schon vor einigen Jahrhunderten einmal eine Wupperbrücke, zu deren Unterhaltung die Bergischen Gemein-den beitragen mußten. Durch Hochwasser mehrmals zerstört und durch die Einführung der Dampfschiffahrt im Jahre 1826  zwecklos geworden, geriet diese Verkehrsverbindung in Vergessenheit, mit ihr die Zollstation und manch alter Brauch. Erst im Jahre 1901 wurde Rheindorf durch die Erbauung einer neuen Wupperbrücke wieder an das große Straßennetz angeschlossen und aus seiner Abgeschiedenheit gerissen. Die Industrie der Nachbarschaft  brauchte Rheindorfs Bewohner, so daß die Ziegeldeckerei , die Töpferei und vor allem die Korbmacherei, letztere bis auf einen Weidenkorbflechter, heute aus Rheindorf vollkommen verschwunden sind. Prior = Ordensoberer, Elekten = Wahlfürst, Ding = Volks- u. Gerichtsversammlung, Runen = alte germanische Schriftzeichen, Zehnten = Abgaben    Der Beitrag stammt aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 18.1.1944. Home Der Verein Tradition Sportbereich Jugend Fotoalbum Gästebuch Archiv Links Kontakt Impressum Besucherzähler Schießverein 1910 Lev.-Rheindorf e.V. 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