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Im volkstümlichen Brauch des Vogelschießens wird derjenige Schützenkönig, der den Vogel
herunterschießt. Das Vogelschießen ist schon seit dem späten Mittelalter eine bei den Schützenfesten
beliebte Form des Zielschießens, besonders der Armbrust-schützen. Schon Winrich von Kniprode
(1308 bis 1382) von dem Rittergut bei Monheim hatte diese Schießart, die er von der Niederwupper
und aus dem Bergischen kannte, ins Ordensland am Frischen Haff übertragen.
Noch vor 150 und mehr Jahren war es in unserer Region üblich, dass Wirte zu einem Vogelschießen
um eine Sau, ein Mastkalb oder ein Stück Leinen in ihre Wirtschaften einluden. Mit der vermehrten
Gründung von Schützenvereinen konnten diese „wilden“ Schießen in geordnete und geregelte Bahnen
gelenkt werden. Naben den verschiedenen Schießen auf Sterne und Scheiben stand das
Preisvogelschießen im Vordergrund vieler Schützenfeste. Die Losnummern mussten hierfür gekauft
werden oder wurden auch für die Teilnahme am Festzug vergütet. Auf die Vogelpfänder Kopf,
Schwanz, beide Flügel und Rumpf waren wertvolle Preise ausgesetzt. Oft war es üblich von den
eingenommenen Losgeldern einen jeweiligen Anteil als Pfänderpreise auszu-setzen. Wilhelm Kaiser,
„Schützenchronist“ beim Solinger Tageblatt berichtete 1969 von einer Erinnerung, dass im Jahre 1913
bei einem Einsatz von 50 Pfennig für den Vogelschuss 500 Mark honoriert worden sind. Noch beim
Wiederbeginn der Schützen-feste nach 1950 wurden beim Ehrenpreisschießen 3 Lose für den Einsatz
von 1,50 DM auf ein „großes Spiel“ ausgegeben. ¼ der hierbei eingenommenen Gelder kamen laut
Schießordnung als Pfänderpreise zur Verteilung. Diese Vogelpreisschießen wurden bei einigen
Vereinen auf Schwerkaliberständen ausgerichtet, was auf der einen Seite besonders interessant aber
andererseits auch sehr teuer war.
Im Laufe der Jahre, als die Sportgewehre an Präzision gewonnen hatten, wich die Lust am
Preisvogelschießen, was eher noch einem „Glücksschießen“ gleichkam, dem weit-aus interessanteren
Geldstern-, Werbe- oder Ehrenpreisschießen. Noch bis in unsere zeit finden Bürgervogelschießen
nach unterschiedlichem Austragungsmodus statt. In vielen Orten werden die Lose ähnlich einer
Tombola verkauft und dann werden zum Schützenfest die Preise ausgeschossen. 1970 wurde in
Landwehr die alte Form des Bürgervogelschießens neu belebt und bis heute ununterbrochen, bei
direkter Teil-nahme der Bürger, die hierfür Lose kaufen, ausgetragen. Dabei darf jeder mitmachen und
den Vogel abschießen, ohne „Königsverpflichtungen“ befürchten zu müssen. Die beachtliche
Teilnehmerzahl bestätigt in jedem Jahr das vorhandene Bürgerinteresse.
Besucherzähler
Schießverein 1910
Lev.-Rheindorf e.V.
Aktuelles
Früher war es in den Schützenvereinen einmal üblich, dass der erfolgreiche Schütze seinen Königsanspruch an finanzstarke Bürger oder Gast-wirte zu einem
hohe Preis abtrat. Auch die Würde einer Schützenkönigin wurde öfter für hohe Summen erkauft, denn damals zählte es zu den höchsten Ehren, König oder
Königin gewesen zu sein. So wie in den früheren Jahren ist es noch heute der Wunsch vieler Schützenmitglieder, einmal für ein Jahr Schützenkönig zu sein,
manche erreichen auch eine zweite, eine sogenannte „Kaiserzeit“. Diese erlebte Königs- oder Kaiserzeit bedeutet, ebenso wie bei den Jungschützen das
Prinzen- oder Prinzessinnendasein, ein ganz besonderer Lebensabschnitt, der selten durch Schöneres ersetzbar ist. Und nur wem selbst eine solche Ära
vergönnt gewesen war, weiß dies alles besonders zu schätzen.
Traditionell fand bei den Schützenfesten montags das Ausschießen des neuen Schützenkönigs statt und zog viele Schaulustige an die Schießstände, wo der
„prächtige“ Königsvogel auf der Stange thronte. Am Königsschießen teilzunehmen, galt als „Ehrensache“. So hatten sich alle Schützen in die Schießliste
eintragen lassen. Nach besonderen Ehrenschüssen wurden zuerst die Pfänder Kopf, Flügel oder Schwanz abgeschossen, wofür es eine Auszeichnung oder
Prämie gab. Dann wurde es ernst. Während früher der neue Schützenkönig fast ausschließlich in allen Vereinen nach der Königsliste ermittelt worden ist,
kehrte bei vielen Schützenfesten die alte Regel zurück: „Wer den Vogel abschießt, der ist König!“ Bei dieser Schießart wird dann in der Auslosung der
Reihenfolge schnell klar, dass sich zunehmend nicht königsgewillte Schützen aus der Liste streichen lassen oder am Vogel vorbei schießen. Wenn der letzte
Rest des Holzvogels dann endlich getroffen herunterfällt, wird der glückliche Schütze als neuer Schützenkönig gefeiert.
Wird der Schützenkönig nach der Liste ermittelt, so tragen sich alle „Königsanwärter“ in eine vom Vorstand streng geheim geführte Königsliste ein. Alle auf den
Vogelrumpf abgegebenen Schüsse werden dabei sorgsam gezählt. Nach dem Vogelschuss, wofür der Schütze geehrt wird, erfolgt die Auszählung in einer
manchmal komplizierten „arithmetischen“ Errechnung des neuen Königs aus allen Eintragungen in der Königsliste. Eine Regel gibt es hierfür nicht. Natürlich
steigt hierbei auch die Spannung, wer der oder die „Glückliche“ ist. Wen wundert es, wenn das neue Königshaus wohlvorbereitet seine Amtszeit antritt?
Einsprüche oder Anzweiflungen zur Richtigkeit der Königslisten sind in hundert-jähriger Verbandsgeschichte keine bekannt geworden. Ebenso wie bei den
Prinzenschießen der Jung- und Schülerschützen ist nachher die Freude groß, wieder für ein weiteres Jahr die Majestäten gefunden zu haben.
Leider lassen die immer weniger noch zugelassenen Hochstandanlagen die Tradition der publikumsinteressanten Vogelschießwettbewerbe mehr und mehr
zurückgehen. Alternativen dazu sind Vogelschießen auf Scheibenbahnanlagen oder Schießen auf Königsscheiben, die dann nach „Teilern maschinell
ausgewertet werden.
Quelle: Bericht aus dem Jubiläumsbuch Hundert Jahre Vogel- und Sternschießen im Bergischen Land
Hier geht es zu den Majestäten des
Schießvereins 1910 Leverkusen-Rheindorf e.V.
(co):
Markus Zaß
Webmaster
SV 1910 Rheindorf e.V.